Yoga ist kein einzelner Weg, es sind viele Wege.
Und jeder dieser Wege kann dich unterstützen oder dir schaden.
Nicht wegen der Methode selbst, sondern der Art und Weise, wie du sie praktizierst.
In unserer heutigen Yoga-Welt gibt es unzählige Stile, Ausrichtungen und Philosophien.
Daher wähle einen Stil der dich unterstützt.
Aber noch viel entscheidender ist, dass du ihn hinterfragst.
Dass du lernst, ehrlich hinzuschauen, wie du ihm begegnest- körperlich, mental und emotional.
Wenn der Körper genug sagt und wir nicht zuhören.
Immer wieder höre ich von Praktizierenden, dass sie während der Praxis Schmerzen haben. Oder dass sie sich danach nicht wirklich wohlfühlen.
Das Beschwerden auftauchen – in den Handgelenken, im unteren Rücken, in den Schultern oder dass sich alte Dysbalancen trotz jahrelanger Praxis nicht verändern.
Und ich kann dir hier klar sagen, es dauert seine Zeit, bis Disbalancen sich auflösen, doch, wenn du Schmerzen nach deiner Praxis verspürst liegt das daran, dass du deine inneren Grenzen ignorierst.
Oft wissen wir sehr genau, was wir tun.
Aber wir schauen nicht hin, warum wir es tun.
Warum wir durch Schmerz hindurchgehen.
Warum wir nicht beim ersten Signal innehalten.
Yoga zeigt uns nicht nur körperliche Muster – sondern auch emotionale.
Yoga ist Selbst-Erkenntnis – keine Leistung
In den klassischen Lehren des Yoga finden wir zwei zentrale Prinzipien, die in der Asana-Praxis oft vergessen werden:
Ahimsa– Gewaltlosigkeit, auch (und vor allem) uns selbst gegenüber
Sattva – Balance, Klarheit, Harmonie
Sobald Asana zur Leistung wird, sobald das „Schaffen“ wichtiger ist als das Spüren, entfernen wir uns von diesen Qualitäten und bewegen uns in Richtung Ego und Verletzung.
Yoga ist nicht dafür da, etwas zu beweisen.
Yoga ist dafür da, etwas zu erkennen.
Meine eigene Veränderung in der Praxis
Auch ich bin lange einem Bild gefolgt, von dem ich dachte, dass es Yoga bedeutet.
Ich glaubte, meine Praxis müsse sich schneller verändern.
Ich glaubte, Fortschritt liegt darin, Grenzen immer wieder zu verschieben.
Ich habe mich selbst angetrieben – oft subtil, manchmal sehr deutlich.
Nicht aus einem bewussten „Ich will mir schaden“, sondern aus dem Wunsch heraus, anzukommen.An einem Ideal.
An einer Form.
An einem Gefühl von „genug“.
Heute weiß ich, diese war meinem Körper nicht besonders dienlich. Mein Körper hat die ganze Zeit gesprochen, ich habe nur nicht richtig zugehört.
Eine Sache hat meine Praxis grundlegend verändert:
Ich habe begonnen, jede Asana von Grund auf bewusst einzurichten.
Ich beginne bei den Füßen. Spüre den Kontakt zum Boden. Richte Knie, Becken, Wirbelsäule, Schultergürtel, Nacken – bis zum Scheitel aus.
Ich halte die Asana statisch oft 10-15 Atemzüge.
Mit Kraft, Präsenz und dem Ujjayi–Atem als innerem Anker.
Der Atem ist mein Kompass.
Wenn er unruhig wird, halte ich inne.
Wenn er stockt, gehe ich zurück.
Denn ein gleichmäßiger, ruhiger Atem ist ein Zeichen von Integrität – selbst in herausfordernden Asanas.
Langsamkeit ist kein Rückschritt
Wir leben in einer Zeit, in der Yoga oft über Bilder definiert wird.
Über perfekte Formen, extreme Beweglichkeit, scheinbare Mühelosigkeit.
Doch diese Bilder zeigen nicht die individuelle Körpergeschichte, die emotionalen Motive oder die langfristigen Konsequenzen.
Asana ist kein Ziel.
Asana ist ein Werkzeug.
Und ein Werkzeug sollte dich unterstützen nicht verletzen.
Eine Einladung
Wenn deine Praxis Schmerzen verursacht, wenn du dich danach erschöpfst statt genährt fühlst, wenn den Körper immer wieder dieselben Signale sendet – dann ist das kein Zeichen von Schwäche.
Es ist eine Einladung zur Ehrlichkeit.
Verändere deine Haltung und deine Praxis wird sich mit verändern.
Strebe nach Verbindung statt nach Form.
nach innerem Frieden statt nach äußerer Performance.
Yoga darf kraftvoll sein.
Aber es sollte niemals gewalttätig sein – weder körperlich noch innerlich.
Asana ist nicht dazu da, weh zu tun.
Sie ist dazu da, dich näher zu dir selbst zu bringen.

